Wann brauche ich einen MID-geeichten Zähler und wann reicht ein Shelly?+
Die Entscheidung hängt ausschließlich davon ab, ob mit dem gemessenen Strom Geld abgerechnet wird oder ob es nur um die eigene Information geht. Ein MID-geeichter Zähler ist immer dann erforderlich, wenn der verbrauchte Strom rechtssicher an eine andere Partei weiterberechnet werden soll, also wenn Geld zwischen zwei Personen oder Parteien fließt. Typische Fälle sind die Abrechnung von Strom gegenüber einem Mieter oder Untermieter, die verbrauchsgenaue Umlage von gemeinschaftlich bezogenem Strom in einer Eigentümergemeinschaft, die Erstattung von Ladestrom für einen Dienstwagen durch den Arbeitgeber oder der gewerbliche Weiterverkauf von Strom. In all diesen Situationen verlangt das Eichrecht einen Zähler mit gültiger MID-Konformitätskennzeichnung, weil nur dessen Messung rechtlich anerkannt ist und im Streitfall Bestand hat. Ein Shelly Pro 3EM oder ein anderer smarter Zähler reicht hier nicht aus, obwohl er sehr genau misst, weil ihm die eichrechtliche Zulassung fehlt. Ein Shelly oder vergleichbarer smarter Zähler ist dagegen die bessere Wahl, wenn es nur darum geht, den eigenen Stromverbrauch zu verstehen, einzelne Verbraucher zu überwachen, Lasten zu steuern oder die Werte ins Home Assistant einzubinden. Für diesen Zweck ist er flexibler, oft günstiger und komfortabler in der Auswertung. Die einfache Faustregel lautet also: Fließt Geld, braucht es einen MID-Zähler; geht es nur um die eigene Info und Optimierung, reicht ein smarter Zähler. Beide Zählerarten schließen sich nicht aus und werden in der Praxis oft parallel eingesetzt, der MID-Zähler für die Abrechnung und der smarte Zähler für die Optimierung.
Was bedeutet MID beim Stromzähler genau?+
MID steht für Measuring Instruments Directive, also die europäische Messgeräterichtlinie, und beschreibt einen einheitlichen rechtlichen Rahmen, nach dem Messgeräte in der gesamten EU auf ihre Konformität geprüft und gekennzeichnet werden. Ein Stromzähler mit gültiger MID-Kennzeichnung erfüllt die gesetzlichen Anforderungen an Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Fälschungssicherheit, die notwendig sind, damit seine Messwerte für die Abrechnung von Strom rechtlich anerkannt werden. Die MID-Kennzeichnung ersetzt in der EU die früher übliche nationale Ersteichung und wird bereits vom Hersteller im Rahmen eines definierten Konformitätsbewertungsverfahrens angebracht. Auf dem Zähler findet man dazu das CE-Zeichen zusammen mit dem Metrologie-Kennzeichen und dem Jahr der Konformitätserklärung. Wichtig ist zu verstehen, dass MID nicht einfach nur Genauigkeit bedeutet, sondern die rechtliche Anerkennung für die Verwendung im geschäftlichen Verkehr, also überall dort, wo auf Basis der Messung Geld fließt. Ein technisch sehr genauer Zähler ohne MID-Kennzeichnung, wie ein smarter Energiezähler, darf trotz seiner Präzision nicht zur Abrechnung verwendet werden, weil ihm diese rechtliche Zulassung fehlt. Umgekehrt garantiert die MID-Kennzeichnung, dass der Zähler innerhalb seiner festgelegten Genauigkeitsklasse misst und die Messung rechtssicher ist. An die MID-Konformität schließt sich in Deutschland eine begrenzte Eichgültigkeitsdauer an, nach deren Ablauf der Zähler für die Abrechnung erneuert oder nachgeeicht werden muss. Beim Kauf eines Zählers zur Abrechnung sollte man daher immer auf die ausdrückliche Angabe MID achten.
Darf ich mit einem Shelly oder Smart-Meter Strom abrechnen?+
Nein, mit einem Shelly, einem anderen smarten Energiezähler oder einem nicht geeichten Messgerät darf man Strom rechtlich nicht abrechnen, auch wenn diese Geräte sehr genau messen. Der Grund liegt im deutschen und europäischen Eichrecht, das für die Abrechnung von Strom, also für die Weiterberechnung von Stromkosten an eine andere Partei, zwingend einen eichrechtskonformen, MID-geeichten Zähler vorschreibt. Ein Shelly Pro 3EM oder ähnliche Geräte sind zwar hervorragende Messinstrumente für die eigene Verbrauchsanalyse, das Lastmanagement und die Einbindung ins Smart Home, aber sie tragen keine MID-Kennzeichnung und sind damit nicht für den geschäftlichen Verkehr zugelassen. Verwendet man einen solchen Zähler dennoch als Grundlage, um beispielsweise einem Mieter Stromkosten in Rechnung zu stellen, ist diese Abrechnung rechtlich angreifbar: Der Mieter könnte die auf einem nicht geeichten Zähler basierende Forderung zurückweisen, und im Streitfall vor Gericht hätte die Messung keinen Bestand. Auch bei der Erstattung von Dienstwagen-Ladestrom durch den Arbeitgeber verlangen die steuerlichen und rechtlichen Vorgaben in vielen Konstellationen einen eichrechtskonformen Nachweis, den ein Shelly nicht liefern kann. Das bedeutet nicht, dass ein smarter Zähler nutzlos wäre, im Gegenteil ist er für die eigene Optimierung ideal, aber sobald aus der Messung eine Geldforderung gegenüber Dritten entsteht, muss ein separater MID-Zähler installiert werden. In der Praxis kombinieren viele beides: den MID-Zähler für die rechtssichere Abrechnung und den smarten Zähler für die eigene Auswertung und Steuerung.
Was ist der Unterschied zwischen Direktmessung und Wandlermessung?+
Direktmessung und Wandlermessung sind zwei verschiedene Bauarten von Drehstromzählern, die sich danach unterscheiden, wie hoch der Strom ist, der gemessen werden soll. Bei einem Direktmesszähler werden die drei Phasen des zu messenden Stromkreises unmittelbar durch den Zähler hindurchgeführt, sodass der Zähler den Strom direkt erfasst. Diese Bauart ist bis zu einem Nennstrom von etwa hundert Ampere üblich und wird deshalb oft als 100-A-Zähler bezeichnet. Sie deckt den gesamten Bedarf eines normalen Haushalts, einer Wohnung, einer Werkstatt oder einer heimischen Wallbox problemlos ab, weil deren Anschlüsse in diesem Strombereich liegen. Die allermeisten Zähler für den privaten und kleingewerblichen Einsatz sind solche Direktmesszähler. Bei sehr großen Anschlüssen mit deutlich höheren Strömen, wie sie in größeren Gewerbe- oder Industriebetrieben vorkommen, reicht die Direktmessung nicht mehr aus, weil so hohe Ströme den Zähler beschädigen würden. Hier kommt die Wandlermessung zum Einsatz, bei der dem Zähler sogenannte Stromwandler vorgeschaltet werden. Diese Wandler umschließen die Hauptleitungen und übersetzen den hohen Primärstrom in einen kleinen, genormten Sekundärstrom, den der Zähler dann misst und über das bekannte Übersetzungsverhältnis auf den tatsächlichen Verbrauch hochrechnet. Für den privaten Bereich und normale Wallbox-Installationen ist eine Wandlermessung praktisch nie erforderlich, sodass man mit einem Direktmesszähler bis hundert Ampere gut bedient ist. Wichtig ist beim Kauf lediglich, dass der Nennstrom des Zählers zur abzusichernden Leitung passt und dass Zähler und Anschluss aufeinander abgestimmt sind. Die Auswahl und den Einbau übernimmt die Elektrofachkraft.
Kann ich einen geeichten Zähler auch digital auslesen?+
Ja, es gibt MID-geeichte Drehstromzähler, die sich zusätzlich digital auslesen lassen, sodass man die Vorteile der eichrechtskonformen Abrechnung mit denen der smarten Auswertung verbinden kann. Solche Zähler verfügen über eine digitale Kommunikationsschnittstelle, am häufigsten Modbus RTU über eine RS-485-Verbindung, seltener auch andere Protokolle. Über diese Schnittstelle können die Zählerstände und Momentanwerte wie aktuelle Leistung, Spannung und Strom von einem übergeordneten System ausgelesen werden, etwa von einem Home-Assistant-Server, einem Energiemanagementsystem oder einer speziellen Auswertungssoftware. Ein Beispiel für einen solchen Zähler ist der ABB B23, der sowohl MID-geeicht und damit abrechnungsfähig ist als auch eine Modbus-RTU-Schnittstelle bietet. Damit bekommt man beides in einem einzigen Gerät: die rechtssichere Grundlage für die Abrechnung von Strom gegenüber Dritten und gleichzeitig die Möglichkeit, den Verbrauch automatisiert zu erfassen, zu visualisieren und in Automationen einzubinden. Der Preis solcher Kombigeräte liegt höher als bei einem einfachen MID-Zähler mit reinem Display, und die Ersteinrichtung der Schnittstelle, etwa das Setzen der Modbus-Adresse und der Kommunikationsparameter, ist etwas anspruchsvoller, wie auch Käufer anmerken. Wer die digitale Anbindung nicht benötigt und den Zähler nur manuell ablesen möchte, kommt mit einem einfacheren MID-Zähler mit Display aus. Umgekehrt gilt: Wer ausschließlich auslesen und gar nicht abrechnen will, für den ist ein nicht geeichter smarter Zähler wie ein Shelly die flexiblere und günstigere Lösung. Die Kombination aus MID und Modbus lohnt sich vor allem dort, wo gleichzeitig abgerechnet und automatisiert ausgewertet werden soll.
Wie lange ist die Eichung eines MID-Zählers gültig?+
Die Eichgültigkeit eines MID-Zählers ist zeitlich begrenzt und gilt nicht unbegrenzt, was ein wichtiger und oft übersehener Punkt bei der dauerhaften Nutzung zur Abrechnung ist. Wenn ein Zähler mit MID-Kennzeichnung in Verkehr gebracht wird, beginnt mit dem auf dem Zähler vermerkten Konformitätsjahr eine festgelegte Eichgültigkeitsdauer, innerhalb derer der Zähler für die Abrechnung verwendet werden darf. Die konkrete Dauer hängt von der Art des Messgeräts ab und ist im Eichrecht geregelt; für elektronische Elektrizitätszähler beträgt sie einen bestimmten, mehrjährigen Zeitraum. Nach Ablauf dieser Frist ist der Zähler für die weitere eichrechtskonforme Abrechnung nicht mehr ohne Weiteres zulässig und müsste entweder ausgetauscht oder, sofern möglich, nachgeeicht werden. Für die Praxis bedeutet das, dass man beim Kauf eines Zählers zur Abrechnung auf ein möglichst aktuelles Konformitätsjahr achten sollte, um die volle Eichgültigkeitsdauer auszuschöpfen und den Zähler nicht schon nach kurzer Zeit ersetzen zu müssen. Beim Onlinekauf lohnt sich gegebenenfalls die Nachfrage beim Händler, aus welchem Jahr die MID-Kennzeichnung stammt, da ältere Lagerware bereits einen Teil der Frist verbraucht haben kann. Wer den Zähler dauerhaft zur Abrechnung gegenüber Mietern, in einer Eigentümergemeinschaft oder für die Dienstwagen-Erstattung nutzt, sollte das Konformitätsjahr notieren und rechtzeitig vor Ablauf der Frist den Austausch einplanen, um die Rechtssicherheit der Abrechnung durchgehend zu gewährleisten. Für die reine Eigeninformation ohne Abrechnung spielt die Eichfrist dagegen keine Rolle, weil dort keine rechtssichere Messung erforderlich ist und der Zähler technisch weiterläuft.
Wer darf einen Drehstromzähler einbauen?+
Den Einbau eines Drehstromzählers in den Zählerschrank oder Verteiler sollte ausschließlich eine qualifizierte Elektrofachkraft vornehmen, weil dabei an einem dreiphasigen Stromkreis mit hoher Leistung gearbeitet wird und Fehler gravierende Sicherheitsfolgen haben können. Ein Drehstromzähler wird auf eine Hutschiene im Zählerschrank montiert und mit allen drei Phasen sowie dem Neutralleiter fachgerecht verdrahtet, wobei die Reihenfolge und Zuordnung der Anschlüsse korrekt sein muss, damit die Messung stimmt und keine gefährlichen Fehlschaltungen entstehen. Vor dem Arbeiten am Zählerschrank muss der betreffende Bereich fachgerecht freigeschaltet und gegen Wiedereinschalten gesichert werden, was Fachwissen und die entsprechende Berechtigung voraussetzt. Hinzu kommt, dass der Zählerschrank in Deutschland ein sensibler Bereich ist, in dem oft auch der Hauptzähler des Netzbetreibers sitzt und für den besondere Regeln und Plombierungen gelten. Ein Unterzähler oder Zwischenzähler, wie er für die Abrechnung eines Teilbereichs eingesetzt wird, wird zwar hinter dem Hauptzähler installiert, aber auch diese Arbeit erfordert die fachgerechte Ausführung durch eine Elektrofachkraft, die die geltenden Normen und Anschlussbedingungen kennt. Die Auswahl und Bestellung des passenden Zählers kann man selbst übernehmen und dabei online oft günstiger einkaufen als bei einer Komplettbeauftragung, doch die eigentliche Installation gehört aus Sicherheits-, Haftungs- und Gewährleistungsgründen in fachkundige Hände. Ein unsachgemäß eingebauter Zähler kann nicht nur falsch messen und damit die Abrechnung ungültig machen, sondern auch eine ernste Gefahr durch Kurzschluss oder Stromschlag darstellen. Für die eichrechtskonforme Abrechnung ist zudem wichtig, dass der Zähler korrekt und manipulationssicher eingebaut ist, was die Fachkraft sicherstellt.
Brauche ich für die Wallbox-Abrechnung beim Dienstwagen einen eigenen Zähler?+
Ja, wer seinen Dienstwagen oder ein Firmenfahrzeug zu Hause an der eigenen Wallbox lädt und sich die dabei angefallenen Stromkosten vom Arbeitgeber erstatten lassen möchte, benötigt in aller Regel einen separaten, eichrechtskonformen MID-Zähler, der ausschließlich den Ladestrom der Wallbox erfasst. Der Grund ist, dass für die steuerlich und rechtlich saubere Erstattung nachgewiesen werden muss, wie viel Strom tatsächlich für das Laden des Dienstwagens verbraucht wurde, und dieser Nachweis muss auf einer eichrechtskonformen Messung beruhen. Der normale Hauszähler des Netzbetreibers erfasst nur den Gesamtverbrauch des Haushalts und kann den Anteil des Fahrzeugladens nicht getrennt ausweisen, weshalb ein zusätzlicher Unterzähler nötig ist, der genau und nur den Wallbox-Stromkreis misst. Damit die vom Arbeitgeber erstattete oder steuerlich geltend gemachte Menge anerkannt wird, muss dieser Unterzähler MID-geeicht sein, denn ein nicht geeichter smarter Zähler wie ein Shelly wäre für diesen geschäftlichen Zweck nicht zulässig, auch wenn er genau misst. In der Praxis installiert die Elektrofachkraft daher einen geeichten Drehstromzähler in Reihe vor der Wallbox, der den Ladestrom separat zählt. Alternativ bieten manche Wallboxen bereits ein integriertes eichrechtskonformes Messsystem an, was den separaten Zähler ersetzen kann; ob die eigene Wallbox das leistet, steht in den Produktangaben. Da es je nach Arbeitgeber, Erstattungsmodell und steuerlicher Handhabung Unterschiede geben kann, empfiehlt es sich, vorab mit dem Arbeitgeber oder einem Steuerberater die genauen Anforderungen an den Nachweis zu klären, bevor man den Zähler auswählt und installieren lässt. Sicher ist aber, dass für eine rechtlich einwandfreie Erstattung ein geeichter Zähler die verlässliche Grundlage bildet.