Sechzig Prozent Luftfeuchte bedeuten bei 20 Grad etwas völlig anderes als bei 28 Grad. Der Grund: Warme Luft kann sehr viel mehr Wasser aufnehmen als kalte. Dieselbe Prozentzahl beschreibt also einen ganz unterschiedlichen Sog, den die Luft auf die Pflanze ausübt. Genau diesen Sog erfasst das Dampfdruckdefizit — die Differenz zwischen dem tatsächlichen Wasserdampfdruck und dem, was die Luft bei dieser Temperatur maximal halten könnte.
Das VPD entscheidet darüber, wie stark eine Pflanze über die Blätter verdunstet, und damit auch darüber, wie gut sie Nährstoffe aufnimmt. Ist es zu niedrig, steht die Transpiration nahezu still: Die Pflanze nimmt kaum Nährstoffe auf, und die feuchte, stehende Luft begünstigt Pilzbefall. Ist es zu hoch, verdunstet die Pflanze mehr, als sie über die Wurzeln nachliefern kann — sie schließt die Spaltöffnungen, und das Wachstum stoppt.
Die Zielwerte verschieben sich mit der Entwicklung: Junge Pflanzen mit kleinem Wurzelwerk brauchen ein niedriges VPD, etwa 0,4 bis 0,8 kPa. In der Wachstumsphase liegt der sinnvolle Bereich bei rund 0,8 bis 1,2 kPa, in der Blüte bei etwa 1,2 bis 1,6 kPa. Ein Befeuchter, der starr auf eine Prozentzahl regelt, kann diesen Verlauf nicht abbilden — sinnvoll ist deshalb ein Gerät, dessen Zielwert man je nach Phase und Temperatur anpassen kann.